Vision Graubünden 2050

Dieser Beitrag entstand auf die Frage des Bündner Regierungsrates Christian Rathgeb, wie meine Vision für den Bündner Tourismus 2050 ausschaut. Eine spannende Reise für mich selbst, dessen Output im Buch “Vision Graubünden 2050” veröffentlicht wurde. Das Buch ist sowohl auf Amazon als auch im Somedia Verlag erhältlich.

Nur bei klarer Sicht können wir Sterne sehen

Eine Vision ist wie das Greifen nach den Sternen. Sie beschreibt den idealsten aller idealen Zustände, der vermutlich nicht erreichbar ist. Auch wenn 2050 noch in weiter Ferne liegt, erahnen wir heute schon, wie das Sternbild aussehen wird. Es hängt für mich mit der demografischen und digitalen Entwicklung zusammen.

2050 leitet meine Generation Y Unternehmen, trifft politische Entscheidungen und trägt die Verantwortung fur unseren Kanton. Wer unsere Bedürfnisse und Werte am besten versteht, wird uns als Touristen gewinnen. Individuell, hinterfragend, bestens vernetzt, weltoffen, aber mit Angst vor dem Scheitern und Problemen, sich festzulegen. Und wie geht das? Geld, Autos und ein Haus sind für uns nicht alles. Materielle Güter binden, die Generation Y aber möchte möglichst frei sein. Die Shared Economy, geteilte materielle und digitale Güter, werden an Bedeutung zunehmen, Plattformen wie AirBnB und Uber an Einfluss gewinnen. Warum eine Bohrmaschine kaufen, wenn ich doch nur ein Loch in der Wand will?

DSC_7649Wir verreisen öfter, dafür kürzer, wir wollen das Geld nicht in das Transportmittel, sondern in Aktivitäten vor Ort investieren. Reisen ist zum Statussymbol unserer Generation geworden, Erlebnisse jenseits von 08/15 deshalb höchst willkommen, oder wie Schweiz Tourismus es formuliert: «Erlebnis ist das neue Statussymbol, Sightfeeling das neue Sightseeing.»
Technologische Entwicklungen haben uns viele Türen geöffnet – gerade auch im Tourismus.

SkilfitWar es vor 80 Jahren der Skilift, der den Wintertourismus revolutionierte, ist es nun die vierte industrielle Revolution: Die Verschmelzung von physikalischen, digitalen und biologischen Technologien. Augmented Reality, die «erweiterte Realität» durch eine Kamera und einen Bildschirm, wird uns
zukünftig als unterstützende Informationsquelle dienen. Sie erzählt uns als Stadtführer Geschichten, leitet uns an fremden Orten, erklärt uns bei Bergwanderungen die Topografie und beschreibt in Museen die Bilder. Aber auch im Zentrum einer Aktivität selbst kann Augmented Reality stehen: als virtuelle Jagd oder sogar als Pokémon-Spiel.

Kryptowährungen wie Bitcoin und mobile Bezahllösungen wie Twint und Paymit vereinfachen und vergünstigen Transaktionen und werden physische Brieftaschen überflüssig machen. Für Hoteliers und Restaurantbesitzer der Zukunftbedeutet dies, sich nicht mehr mit dicken Geldbündeln und Fremdwährungen quälen zu müssen.

DSC_07432050 werden selbstfahrende Autos und Züge das Landschaftsbild prägen. Ökonomischer Nebeneffekt: Für die Rhätische Bahn und Postauto lassen sich Personalkosten einsparen. Wobei dieses Argument natürlich nicht nur auf Gegenliebe stösst.
Von manchen geliebt, von manchen gehasst, sorgen Drohnen bereits heute für Schlagzeilen. Potenzial haben sie auch im Dienstleistungssektor. Lieferungen von Essen in abgelegene Ortschaften, Mithilfe bei Infrastrukturprojekten an exponierten Lagen, Erstversorgung nach Katastrophen, und im Jahr 2050 können vielleicht sogar Personentransporte von ihnen übernommen werden. Dadurch bringen Drohnen auch für die Umwelt positive Nebeneffekte: beispielsweise weniger Strassentransporte und weniger Bebauungen in der Natur.

Stitched PanoramaWie ich mir den 5. Februar 2050 vorstelle? Innovationen werden den Tourismus kostensparender, abwechslungsreicher und umweltfreundlicher machen. 45 Minuten dauert an diesem Donnerstagabend die Reise mit dem Schnellzug von Zürich Flughafen nach Chur. Ich freue mich auf das dreitägige Wochenende,, der 4-Tage-Woche sei Dank. Hologramme weisen den Touristen am Bahnhof den Weg in die Altstadt von Chur. Diese hat sich in den letzten 30 Jahren über die Landesgrenze hinaus einen Ruf als lebendige Studentenstadt mit einzigartiger Work-Life-Balance und Tor zu einem grandiosen Erholungsgebiet erarbeitet.
DSC_3272Viele Gäste fahren jedoch gleich weiter, wobei sie nicht von Zuoz oder Savognin sprechen, sondern vom Oberengadin und der Albula. Denn der Bündner Tourismus vermarktet sich nur noch gemeinsam als «Destinationen» und nicht mehr individuell mit einzelnen Verkehrsbüros. So können Synergien genutzt und die Zielgruppen besser erreicht werden. Diese Destinationen sprechen heute die unterschiedlichsten Touristen an: Naturverbundene und Digitalinteressierte, Ruhesuchende und Sportbegeisterte, Alte und Junge, Wohlhabende und weniger Wohlhabende. Für jeden Gast gibt es die geeignete Ortschaft und das passende Programm. Wobei viele angebotene Aktivitäten nicht wetter- und jahreszeitabhängig sind. So können die saisonalen Schwankungen und der gelegentliche Schneemangel besser abgefedert werden.
Das selbstfahrende Auto von Mobility fährt soeben vor und reisst mich aus meinen Gedanken. Es bringt mich trotz des mittlerweile eingesetzten Schneefalls in 30 Minuten nach Laax. Die gemietete Wohnung erreiche ich tief entspannt. Und obwohl ich den Besitzer nicht kenne, fühle ich mich auf Anhieb wohl darin. Das Frühstück am nächsten Morgen steht pünktlich vor der Haustür – und das, obwohl ich es erst zuvor spätabends bei Coop bestellt habe.

LAAX inside AppDas Skiticket wird direkt via Smartphone abgerechnet. Dies erspart mir den Weg zur Touristeninformation und den Kauf einer Keycard. Gestärkt steige ich in die Bahn, die mich unterirdisch in einer Röhre auf den Berg bringt. Eine grossartige Erfindung: Windanfällige Seilbahnen wurden überflüssig und abgebaut, das Landschaftsbild verschönert. Während der Fahrt schweifen meine Gedanken zurück in die Zeit, als mein 26-jähriges Ich hier Ski fuhr. Verändert hat sich viel, das Wichtigste jedoch ist gleich geblieben: Die Natur ist noch immer unser höchstes Gut. Investitionen in erneuerbare Energiequellen und der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen halfen Graubünden, sich als Oase und Vorbild in einer immer hektischer gewordenen Welt zu positionieren. Der Himmel ist wolkenfrei, bemerke ich oben auf dem Gipfel. Und das ist wichtig, denn nur bei klarer Sicht können wir die Sterne sehen, nach denen wir greifen wollen.

visiongr2050

Das Buch Vision Graubünden 2050 mit vielen weiteren spannenden Ideen ist unter anderem auf Amazon sowie bei der Südostschweiz verfügbar.

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